Reise & Lifestyle

Grenzerfahrungen / Nassfeld AT

Nassfeldpass: Von Österreich nach Italien über den Malurch-Trail

Beim Biken sind es die persönlichen Grenzen, die uns stets begleiten und herausfordern, beim Reisen die Landesgrenzen, welche uns die einschneidendsten Erlebnisse ermöglichen. Ein Glücksfall, wenn beides zusammenfällt und ein atemberaubender Trail zwei Nationen miteinander verbindet. Ein solcher Grenztrail ist der Pfad über den Malurch, der vom Österreichischen Nassfeld in das Italienische Pontebba führt. Einst von Soldaten in den rauen Fels gehauen, beschert er uns heute eine technisch anspruchsvolle Abfahrt entlang schwindelerregender Abgründe, an deren Ende italienischer Espresso zur Belohnung wartet.

Basislager Nassfeld

Ein kleines Pförtnerhäuschen am Straßenrand, ein Schild, das mit großen Buchstaben ITALIEN verkündet – die Landesgrenze auf dem 1552 Meter hohen Nassfeldpass wirkt heute wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Wir befinden uns im Süden Österreichs, im größten Skigebiet Kärntens und einem der Top-10-Skigebiete Österreichs, dem Nassfeld. Die Grenze zu Slovenien ist nur wenige Kilometer weiter östlich, jene zu Italien liegt jetzt direkt zu unseren Füßen. Hier treffen wir uns mit unserem Guide Ricky De Agostini. Der gebürtige Italiener begrüßt uns in perfektem Österreichisch und entpuppt sich damit als die ideale Begleitung für unser Abenteuer. Er arbeitet als Skilehrer und Bikeguide schon seit vielen Jahren in Nassfeld und erinnert sich an Zeiten, an denen die Grenzüberquerung noch etwas komplizierte war: „Vor den Schengener Abkommen ging hier um acht Uhr die Schranke runter und die Zöllner nach Hause. Wer danach nach Italien zurück wollte, hat Pech gehabt“ erinnert er sich an das Los vieler Italiener, die täglich ins Nassfeld zum Arbeiten pendelten. Heute zeugt davon nur noch das Schild – und dieser besondere Charme, mit dem Grenzregionen locken: die Möglichkeit, das Beste aus verschiedenen Kulturen an einem Tag zu verbinden. „Zum Frühstück Kaiserschmarren und Pizza zum Abendessen“ lautet unser Plan.

Ricky kennt für dieses Vorhaben die passende Route. Wie so oft ist auch die Grenze im Nassfeld das Resultat langer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Völkern. Ein Versorgungspfad aus dem Krieg soll mit Hilfe unserer Mountainbikes zu einem regelrechten Spielplatz für uns Adrenalinsuchende werden.

Grenzen? Los!

Zu unserem Ausgangspunkt gelangen wir zunächst auf die bequeme Art. Die Bergbahn bringt uns auf die Madritschen und damit ins Herz des Nassfeldgebiets. Beim Verlassen der Bahn empfängt uns das faszinierende Panorama der Dreiländerregion. Von hier oben liegen einem slowenische, italienische und österreichische Berge zu Füßen. Eingerahmt wird die fantastische Sicht von den Wahrzeichen der Region, Trogkofel, Rosskofel und Gartnerkofel. Das Skigebiet, eines der schneereichsten in Österreich, ist im Winter ein Hotspot. Bei Bikern ist die Region, trotz der beachtlichen 800 Kilometer Mountainbikerouten, bislang wenig bekannt, doch das wird sich in Zukunft wohl ändern. Ricky, der vom Potenzial seiner Heimat für den Biketourismus überzeugt ist, hat bereits große Pläne und scheut keine Mühen, diese auch in die Realität umzusetzen. Erste Genehmigungen für den Bau von Strecken hat er bereits in der Tasche. Einer der Landbesitzer stellte einen Bagger zur Verfügung, mit dem Ricky schon das erste Trailbauprojekt begonnen hat. Auf diesem starten wir nun unsere Abfahrt. Noch befinden sich die breiten Anliegerkurven in der Bauphase, aber es lässt sich bereits erkennen, das Ricky mit seinem Engagement der Region Nassfeld wohl bald zu einem Namen verhelfen wird, den man sich merken sollte.

Für uns geht es nach den ersten Tiefenmeter aber erst noch einmal bergauf. Wir haben den Fuß des Malurch erreicht, der sich mit seinem weißen Karstgestein stolz vor uns erhebt. Ab hier heißt es Bike schultern. Der Pfad führt durch immer dichter werdende Wildnis und lässt schnell vergessen, dass wir uns ganz in der Nähe eines gut erschlossenen Skigebietes befinden. Der Weg spuckt uns auf einem Sattel zwischen Malurch und Rosskofel-Massiv aus und gibt die Sicht auf das italienische Kanaltal frei. Den Malurch Gipfel lassen wir links liegen und machen uns stattdessen für die Abfahrt bereit. Schon hinter der ersten Spitzkehre passieren wir eine verfallene Steinhütte, die den Soldaten während des Gebirgskrieges als Krankenhaus diente. Ab hier wird der Weg zu einem kaum zwei Meter breiten Felsvorsprung. Links die nackte Felswand des Malurch, rechts ein schwindelerregender Abgrund, so zieht sich der Weg mit leichtem Gefälle in östliche Richtung. Einst für den Kampf um die Landesgrenze geschaffen, wird er nun zu einer echten Grenzerfahrung für uns. Die Spitzkehren auf losem Geröll fordern alle Konzentration, die wackelnde Holzbrücke, an der kein Weg vorbeiführt, allen Mut, den wir aufbringen können.

Nach jeder kleinen Mutprobe, die der Malurch für uns bereithält, wird unser Grinsen breiter und die Stimmung ausgelassener. Das Kanaltal empfängt uns schließlich bereits im Wald mit italienischer Dolce Vita: Am Ende des Trails hat ein Wasserfall ein breites Becken in den Fels geschliffen, in dem es sich herrlich baden lässt.

 

Am Nachmittag sitzen wir in einem kleinen Restaurant im verschlafenen Örtchen Pontebba. Vor uns auf dem Tisch Pizza und Lemon Soda – unser Plan ging auf! Ein Taxi bringt uns später über die Passstraße zurück auf das Nassfeld, zurück nach Österreich. Noch während der Fahrt geraten wir ins schwärmen über das Überschreiten von Grenzen mit dem Bike. Wie praktisch, dass es bis Slowenien nicht weit ist…

Toureninfos & Karten

Weitere Infos über die Region NASSFELD.AT

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