Gravelesting – ain´t no mountain high enough!

Auch vor unserem Lieblingssport macht die aktuelle Covid19 Situation nicht halt. Abgesagte Rennen, keine größeren Gruppen Ausfahrten, keine Gran Fondos – das alles hat auch unseren Sommer beeinflusst. Aber wohin mit der über den Winter und Frühjahr hart antrainierten Form ? VOTEC Rider Lukas Löer hat sich davon nicht bremsen lassen und hat seiner Kreativität auf zwei Rädern freien Lauf gelassen. Wie man sich selbst herausfordert und was es mit Gravellesting auf sich hat lest ihr im Interview mit Lukas.

214,29 km Distanz

14:48:21 Bewegungszeit

9.279 m Höhenmeter

70 Auffahrten

Hi Lukas, du bist ja jetzt schon einige Zeit auf dem Votec VRC unterwegs du hast schon einiges an Kilometern damit gemacht. Erzähl uns doch ganz kurz wer du bist und was für einen Fahrrad Background du hast !

Ich war von 2014-2018 auf professioneller Ebene im Rennzirkus aktiv. Dort bin ich in zwei verschiedenen Kontinental-Teams und zum Beispiel auch mit Tom Boonen oder Geraint Thomas gefahren. Während und nach dem Abitur habe ich mich Vollzeit dem Rennsport gewidmet und dabei erste internationale Rennen gefahren. Irgendwann habe ich dann allerdings feststellen müssen, dass die Leistung  nicht ganz reicht um KT-Level beziehungsweise noch höher zu gehen und habe daher ein Bachelorstudium begonnen.

Du bist ja Rennfahrer durch und durch. Dieses Jahr war es ja etwas schwierig mit Rennen fahren im Allgemeinen, wie bist du damit umgegangen und wie kamst du schlussendlich auf die Idee dann ein Gravelesting zu machen?

Nachdem ich im Frühjahr noch meinen kleinen Finger gebrochen hatte, wollte ich anschließend in die Saison starten. In der Zwischenzeit kam Corona und damit die Absage aller Events. Daher musste ich mir eine Alternative suchen. In diesem Sommer ist ja Everesting mittlerweile zum Trend geworden. Da ich das Votec VRC mit Gravelreifen bestückt hatte, ist mir die Idee zum Gravelesting gekommen nach dem Motto “Irgendwie muss es ja schon auch gehen”. Gravelesting ist also die Höhenmeter des Mount Everests (8848 m) in einem Ride zu fahren und das wie der Name schon sagt nicht auf Asphalt, sondern auf Gravel.

Wie hast du dich auf dieses Unternehmen vorbereitet? Hast du ein spezielles Training vorher gemacht dafür?

Die Idee zum Gravelesting kam sehr spontan und daher hatte ich keine Zeit spezifisch darauf zu trainieren. Ich habe eigentlich nur eine Leistungsdiagnostik gemacht, um zu testen in welchen Bereichen ich mich aufhalten muss. Das Ergebnis war kurz gesagt: “Du musst echt locker fahren, weil du kannst gerade nix”.

Meine Strategie war daher mich richtig zu pacen und vorher die Kohlenhydratspeicher maximal zu füllen.

Welche Anforderungen musste dein Bike erfüllen ? Du hast ja eine einige Änderungen am VRC vorgenommen ?

Das Votec ist von sich aus ein gutes Allround-Bike und daher auch ein hervorragendes Trainingsbike. Die Laufräder bestimmen sehr die Charakteristik. Um die Steigung auf dem Schotter in den entprechenden Leistungsbereichen zu fahren, habe ich eine andere Übersetzung gebraucht. SRAM hat mich dann mit einer 43-30-er Kurbel und hinten einee 10-36-er Kassette supportet.

Erzähl uns doch noch etwas zu der Strecke und dem Anstieg, den du gewählt hast. Wie oft musstest du da hoch und runterfahren ?

Der Plan an sich ist ja schon so idiotisch, dann kann ich dem Ganzen nochmal einen Draufsetzen. Daher habe ich beschlossen das Ding einfach bei uns im Kölner Westen durchzuziehen. Da gibt es genau einen Hügel mit 120 Höhenmetern pro Aufstieg. Also musste ich den 1,5 Kilometer Anstieg in Summe 70 mal befahren.

Wie bist du mit der mit der mentalen Belastung umgegangen? Irgendwann wird das ganze ja natürlich etwas zäh und zieht sich über Stunden ?

Weil ich mich so ungenügend vorbereiten konnte, war ich zu Beginn frustriert, da ich endlich loslegen wollte. Mit dem ersten Mal hochfahren wusste ich dann aber “okay nun zieh ich es durch”. Anschließend habe ich von Set zu Set gedacht und meine 70 Aufstiege in 7 Sets a 10 mal aufgeteilt. Dazwischen habe ich jeweils 10 min Pause gemacht.

In meinem ersten Set habe ich kurz hochgerechnet wie lange ich brauchen würde und realisiert, dass es mindestens 16 Stunden werden. Dann bin ich einfach schneller gefahren und hätte natürlich eigentlich schon wissen müssen, dass ich später dafür büßen würde. Zwischendurch habe ich mir die Hälfte als Ziel gesetzt und wusste dann in der zweiten Hälfte das es nun mit jedem Mal weniger werden würde.

Was war das für ein Gefühl als du dann endlich alle Höhenmeter bewältigt hattest? Und wie war das im Vergleich zu den Rennen die du damals als KT Fahrer absolviert hast ?

Im letzten Set habe ich mir bereits überlegt wie es wäre, wenn ich es gleich geschafft habe. Dabei bin ich so sentimental geworden, dass ich direkt schon Pipi in den Augen hatte. Dann war ich aber plötzlich wieder komplett emotionslos, bis ich wirklich das allerletzte mal ganz oben umgedreht hatte und musste ich anfangen zu heulen wie ein kleines Mädchen, weil soviel Stress abgefallen war.

Das war das intensivste Belastungsgefühl das ich je hatte. Da kommt kein Radrennen dran. Radrennen sind in dem Moment intensiver und wenn man es nicht schafft, dann ist man eben raus und fährt locker ins Ziel. Bei dem Gravelesting ging es eben darum es zu schaffen und anschließend war ich so glücklich einfach es geschafft zu haben.

Im Ziel bin ich dann zusammengebrochen und war so dehydriert, dass ich gefühlt extrem betrunken war. Ich konnte nicht mehr gerade gehen, bin einfach nur ins Bett gefallen und habe geglüht als hätte ich Fieber. Im Nachhinein betrachtet habe ich mich eigentlich fast geschämt solch eine dumme Aktion zu tun und mich in Gefahr und meine Freunde in Verlegenheit gebracht zu haben. 

Hast du für dieses Jahr noch weitere spezielle Aktionen geplant?

 Im Ultrabereich habe ich nichts mehr geplant in diesem Jahr. Ich hoffe aber bald wieder Radrennen in der Bundesliga fahren zu können. Ansonsten habe ich mal überlegt für mich persönlich den Stundenweltrekord anzugreifen. Die Rekordzeit, ist mir klar ist nicht im Bereich des Möglichen, aber vielleicht ist die Zeit von Jens Voigt ein erreichbares Ziel.

“Das war das intensivste Belastungsgefühl das ich je hatte. Da kommt kein Radrennen dran.”

Wo kann man deine Abenteuer und Dir folgen ?

 Am Besten über die Videos in der Probike Academy. Ich denke da werden wir noch einige Abenteuer zusammen erleben. Ansonsten wirst du auch hier im Votec Journal die ein oder andere Story von mir zu sehen bekommen.

Danke Dir Lukas ! Wir sind gespannt was du noch alles auf dem VRC erleben wirst !

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