Get fitted with VOTEC X Radlabor!

Wenn man schon länger im Sattel sitzt, wird man zwangsläufig irgendwann über den Begriff „Bike Fitting“ stolpern. Doch was genau hat man am Ende davon, sein Bike professionell anpassen zu lassen? Das kann niemand besser beantworten als das Radlabor selbst, das uns im Rahmen unserer VOTEC X Radlabor Aktion Frage und Antwort stand. Luca Kriener hat uns interessante Einblicke in die Geschichte der Firma gegeben, erklärt warum Bike Fitting für jeden nur Vorteile haben kann und wo er die Zukunft der Bikewelt sieht.

Wer bist du und was genau macht das Radlabor?

Ich bin Luca Kriener, betreue PR & Marketing für unsere Marken Smartfit und Radlabor und bin selbst begeisterter Radfahrer, so wie der Rest des Radlabor-Teams auch.

Was machen wir? Das Radlabor bietet Bike Fittings, Leistungstests und Trainingsberatung an den drei Standorten Freiburg, München und Frankfurt am Main an und Smartfit ist unsere zweite Marke, die Fitting Systeme für Fachhändler*innen und Online-Shops anbietet.

Der Ursprung des Radlabors liegt in Freiburg, genauer gesagt wurde es von meinem Chef Dr. Björn Stapelfeldt als Institut an der Sportfakultät der Universität Freiburg in Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Freiburg gegründet.. Er hat sich als einer der ersten damit beschäftigt, wie Menschen eigentlich auf dem Rad sitzen und wie man diese Position erfassen und optimieren kann. In den 90er Jahren war er in der Hinsicht ziemlich fortschrittlich unterwegs und hat dementsprechend damals schon viele Topsportler*innen vermessen.

Das hat sich dazu entwickelt, dass wir im Laufe der Jahre viele Nationalmannschaften betreut haben, was wir auch heute noch tun. Die Erfahrung und Daten, die wir dort sammeln konnten, hat eine gute Grundlage dafür geschaffen, Räder immer besser an ihre Fahrer*innen anzupassen und weitere Analysen wie z.B. Leistungsdiagnostiken zu machen.

Aus dieser Arbeit entstand wiederum die Frage, wie man diese Messungen vereinheitlichen könnte, denn solche Tools wie heute gab es damals nicht. Also hat Björn sich gedacht „challenge accepted“ und hat eben selbst angefangen, welche zu entwickeln. Das war der Anfang unserer Bike Fitting-Systeme, die wir heute bei Smartfit und im Radlabor einsetzen und stetig erweitern und verbessern.

2007 wurde aus dem Radlabor per Spin-Off eine eigene GmbH. Damit haben wir die Wissenschaft ein wenig hinter uns gelassen und es uns stattdessen zur Aufgabe gemacht, Bike Fitting für alle zugänglich zu machen, die Lust auf Radfahren haben und dabei vernünftig und schmerzfrei auf ihrem Rad sitzen wollen.

Und mit alle meinen wir wirklich alle. Wir freuen uns auch zu beobachten, dass durch den Bike-Boom des letzten Jahres immer mehr Alltagsradler zu uns kommen.

Habt ihr also auch eine Art Bike-Boom erlebt?

Kann man schon sagen, ja. Bei uns kommt das zwar zum Teil verzögert an, denn meistens kauft man sich ein Rad und merkt erst später, dass es an ein paar Stellen zwickt. Und oft herrscht dann noch die Meinung, dass Sitzprobleme oder Schmerzen einfach dazugehören und ausgehalten werden müssten. Nein, das gehört nicht dazu, das  können wir in den Griff bekommen.

Manchmal müssen wir also erst mal Aufklärungsarbeit leisten, warum ein Besuch bei uns sinnvoll ist. Bike Fitting hört sich da vielleicht zu technisch und kompliziert an, dabei ist es einfach die optimale ergonomische Anpassung des Rades an den Körper und davon kann man als Radfahrer*in nur profitieren, egal ob es um einen sportlichen Fokus oder einfach bequeme Touren am Wochenende geht.

Wie genau ist denn die Zusammenarbeit mit VOTEC entstanden und was ist das Besondere am VRC?

Die Zusammenarbeit mit VOTEC existiert schon länger, als ich beim Radlabor dabei bin! (lacht) Es gab die VOTEC X Radlabor Bike Fitting Action schon vor einiger Zeit und grundsätzlich waren wir schon immer recht gut mit VOTEC vernetzt. Mittlerweile kommt auch unser Smartfit Online-Sizing-Tool bei eurem Vertriebspartner Brügelmann zum Einsatz.

Bei der Entwicklung des VOTEC VRC habt ihr euch mit der Frage nach Daten und Empfehlungen an uns gewandt, wie ein Rahmen im Hinblick auf Ergonomie gebaut werden sollte und ob euer Ansatz der richtige ist. Und im Endeffekt war die Geometrie so, wie wir es idealerweise für ein Allroad-Bike empfehlen würden.

Die Rahmengrößen wachsen im genau richtigen Verhältnis zur Körpergröße mit. Das hat viele Vorteile, denn unserer Erfahrung nach ist es oft schwierig die passende Größe zu finden – es gibt je nach Hersteller ganz unterschiedliche Herangehensweisen und Größenbezeichnungen, da ist ein L-Rahmen nicht unbedingt gleich ein L-Rahmen. Das Sizing des VRC ist sehr durchdacht und macht es deutlich einfacher, die passende Größe für sich zu finden.

Was sollte grundsätzlich ein gutes Allroad-Bike ausmachen?

Ein gutes Allroad-Bike sollte in verschiedensten Situationen so komfortabel wie möglich sein und nicht zu stark in die Extreme abdriften. Ein Extrem wäre sehr aufrecht zu sitzen, was zwar gemütlich ist, aber dafür Wind zu viel Angriffsfläche bietet. Man will aber auch keine getunte Tour de France-Maschine unterm Hintern haben, sprich in einer sehr gestreckten und tiefen Position fahren – das ist zwar schnell, aber nicht wirklich bequem. Die goldene Mitte sollte es sein und das gelingt dem VOTEC VRC sehr gut.

„Die Rahmengrößen des VOTEC VRC wachsen im genau richtigen Verhältnis zur Körpergröße mit.“

Für wen lohnt sich ein Bike Fitting besonders?

Im Prinzip lohnt es sich für jeden, der gerne und viel Rad fährt. Es gibt genügend Fahrer*innen, die sitzen schon intuitiv gut auf dem Rad und kommen super klar, da freuen wir uns. Sobald man aber irgendwelche Probleme bemerkt wie Sitzbeschwerden, Nackenschmerzen oder eingeschlafene Gliedmaßen, dann sollte man sich überlegen, ob ein Bike Fitting Abhilfe schaffen könnte.

Wir haben fast alle irgendwo kleine Fehlstellungen, die einen mehr, die anderen weniger. Meistens gleicht der Körper das erstmal aus, doch nach längerer Zeit können dann Schmerzen auftauchen, die man sich nicht so genau erklären kann. Auch da kann ein Fitting den maßgeblichen Unterschied machen, wenn wir mit unserer sportwissenschaftlichen Brille ganz genau hinschauen.

Denn manchmal liegt die Ursache ganz woanders, wo man es vorher vielleicht gar nicht vermutet hätte. Das fängt schon bei den Pedalen an, wenn die Cleats der Klickpedale nicht richtig eingestellt sind, kann das Rückenprobleme auslösen und dann denkt man sich, man müsste stattdessen den Sattel umstellen, obwohl das der völlig falsche Ansatz ist. Und dann hat man auf einmal noch Knieschmerzen und weiß nicht warum.

Das sind alles Situationen, die jeden betreffen könnten und deswegen kann es sich nur lohnen, im Rahmen eines Bike Fittings einen genauen Blick auf Kontaktpunkte und Bewegungsapparat zu werfen. Ein Teil des Fittings ist auch eine Bewegungsanalyse per Videoaufnahme, wo wir uns den Bewegungsablauf ganz genau anschauen und vielleicht Dinge entdecken, die vorher noch nicht bedacht wurden.

„Manchmal liegt die Ursache ganz woanders, wo man es vorher vielleicht gar nicht vermutet hätte.“

Wenn man schon mal ein Bike Fitting hatte, hat sich das Thema dann erledigt oder ist es sinnvoll, so etwas nochmal zu machen?

Kommt ganz darauf an. Es gibt eine Höhe, die bleibt immer gleich: die Sattelhöhe. Die richtet sich nach der Schrittlänge und wird sich vermutlich im Laufe des Lebens nicht mehr ändern, sobald man ausgewachsen ist. Und diese Höhe ist auch bei jedem Rad gleich, egal ob Mountainbike, City Bike oder Rennrad.

Das ist gleichzeitig auch der wichtigste Wert. Wenn man die eigene Sattelhöhe weiß, hat man grundsätzlich schon mal eine gute Position, die optimale Kraftübertragung auf dem Rad und beugt auch Knieproblemen oder Hüftschmerzen vor.

Alle anderen Maße wie Cockpit oder Position des Oberkörpers, die sollte man an die jeweilige Situation anpassen. Man will ja auf dem Rennrad anders sitzen als auf dem Mountainbike, da bräuchte jedes Rad also ein eigenes Fitting.

Aber auch bei der gleichen Rad-Kategorie kann es sinnvoll sein, nochmal genauer hinzuschauen. Die Werte, die man hat, kann man übertragen, wenn man damit klarkommt – beispielsweise, wenn man von einem „klassischen“ Rennrad auf ein Allroad-Bike oder ein Gravelbike umsteigt und die Anbauteile das zulassen.

Wenn sich die Bedürfnisse mit dem Alter allerdings ändern oder man eine Verletzung hatte, kann man sich nochmal anschauen, was man an der Sitzposition verändern kann, um den Komfort zu erhöhen. Deswegen kann ein Bike Fitting alle paar Jahre durchaus Sinn machen.

Ein Blick in die Zukunft der Bikewelt: was meinst du wird sich noch verändern? Ist das Ende der Fahnenstange schon erreicht?

Das Thema Ergonomie wird immer wichtiger und da ist auch das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht – das erkennt man besonders daran, dass immer mehr Händler*innen einen umfassenderen Service anbieten wollen und da spielt Beratung im Bereich Ergonomie eine große Rolle. Es gibt auch immer mehr ergonomische Produkte, wo viele deutsche Marken auch sehr stark sind wie Ergon oder SQLab.

Parallel wird auch im Online-Bereich die digitale Beratung immer umfangreicher und der Shop der Zukunft sieht vielleicht so aus, dass man sich per Bodyscan vermessen lassen kann und entsprechend sofort die passenden Produkte vorgeschlagen bekommt.

Es gibt also noch unendlich viele Möglichkeiten. Vor allem mit dem jetzigen Fahrrad-Boom fahren immer mehr Leute Fahrrad oder entdecken das Fahrrad wieder neu, das heißt es gibt viele neue Bedürfnisse und Wünsche, auf die man in Zukunft eingehen muss.

Und Fahrräder, wird es nochmal eine Revolution in Sachen Geometrie geben?

Ich glaube, das Rad wird nicht nochmal neu erfunden, das läuft schon ganz rund soweit (lacht). Aber es gibt immer Trends, die zeigen, was die Leute wollen. Jetzt gerade erleben wir diesen starken Gravel-Trend, der ein bisschen aus Amerika übergeschwappt ist, wo vorher auch der 29er Mountainbike-Trend herkam, der dann irgendwann bei uns ankam.

Das zeigt ganz gut, wie es eine immer extremere Diversifikation verschiedener Modelle und Einsatzbereiche gibt, die immer mehr auf individuelle Bedürfnisse eingehen und das wird sich auch noch weiter verfeinern, denke ich. Früher gab es ein Mountainbike oder ein Rennrad, das sah immer gleich aus und jetzt haben wir in diesen Kategorien die verschiedensten Einsatzbereiche, aus denen wir wählen können.

Allerdings macht das die Entscheidung für Kund*innen nicht unbedingt leichter, sich zurechtzufinden und da ist es dann unsere Aufgabe so gut wie möglich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – egal ob digital oder persönlich. Der Dschungel aus Anbauteilen und Fahrrädern wird immer größer und deswegen wird Unterstützung und Beratung in Zukunft immer wichtiger werden, denke ich.

Du hast erzählt, dass ihr alle begeisterte Radsportler*innen seid. Wie ist das Radlabor so in der Freizeit unterwegs?

Das ist bunt durchgemischt. Wir haben ein paar Triathlet*innen, die auch in der Liga unterwegs sind und in München bereitet sich ein Kollege sogar auf einen Iron Man vor. Hier in Freiburg hat man viele verschiedene Möglichkeiten auf dem Rad unterwegs zu sein und dementsprechend vielfältig sind wir da auch aktiv. Ein festes Lager haben wir also nicht, aber die Begeisterung für Radsport haben wir auf jeden Fall alle gemeinsam. Genauso wie den Wunsch, diese Begeisterung auch weiterzugeben.

Vielen Dank für deine Zeit und deine spannenden Antworten, Luca!

Alle weiteren Informationen zur Bikefitting Aktion findet ihr auf Brügelmann.de und alle näheren Infos zum Angebot des Radlabors hier.